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04.05.10 10:05 Alter: 124 Tage

Martin Buttrich

Rubrik: Interviews

 

Martin Buttrich ist ein deutscher Musikproduzent, der unter verschiedenen Pseudonymen, in zahlreichen Formationen und für verschiedene andere Künstler tätig ist/war. Popularität hat vor allem seine Produktionsarbeit für Timo Maas und Loco Dice erreicht.

 

Unter seinem eigenen Namen erschienen während längerer Zeit nur vereinzelt Remixe, zum Beispiel für Moloko. Seit 2006 erscheinen nun auch vermehrt wieder Veröffentlichungen unter seinem bürgerlichen Namen, zuletzt für Poker Flat Recordings, Planet E und Four:Twenty Recordings.

 

Der Desolat-Label-Partner von Loco Dice spielt in seiner ganz eigenen Liga. Die Musik des Hannoveraners besticht durch subtile Kraft, fabelhaftes Sounddesign und vor allem durch ihre Musikalität, die nie verdudelt daherkommt oder den Tanzflur aus den Augen verliert. Davon konnte schon Timo Mass profitieren und Poker Flat, Cocoon und Planet E sind deshalb gleichermaßen stolz auf seine Veröffentlichungen in ihrem Haus. Wie man Tracy Thorn von Everything But The Girl, Depeche Mode oder Moloko remixt, weiß er auch.

Hallo Martin, wir erreichen Dich gerade in Los Angeles, nicht gerade bekannt als das Mekka der elektronischen Musik. Ist LA bewusst gewählt?

 

MB: Ja durchaus, es ist eine Inspirierende Stadt und es tut auch mal gut, Abstand von der gewohnten Umgebung zu haben. Da ich mit dem Album fertig war und ich einige Gigs in Nord und Süd America habe / hatte, hat es sich angeboten hier den Winter zu verbringen, um mir endlose Reisezeit im Flieger und den kalten Winter in Deutschland zu ersparen. Die Zeit hier in Los Angeles nutze ich auch um mich auf meine Live Tour vorzubereiten

 

 

Lass uns etwas über „Crash Test“ sprechen. Das Album, an dem Du die letzten 15 Monate gearbeitet hast. Was hast Du in dieser Zeit gemacht?

 

MB: Ich habe natürlich viel an meiner Music gearbeitet, einige Remixe gemacht viele Auftritte gehabt. Ausserdem habe ich mich mit meinem Partner Loco Dice um unser Label Desolat gekümmert. Und an dem Album habe ich dann die letzten 4 Monate wirklich intensiv gearbeitet.

 

 

Also hast Du an diesem Album über Monate hinweg gearbeitet. Findest Du, dass man das Album auch als Ganzes anhören sollte?

 

MB: Ja, es ist schließlich ein Album und keine Dance 12“. Ich habe während der Zeit sehr viele „klassische“ Alben gehört – Jazz, Soul, Hip Hop – und erinnerte mich daran, wie toll es ist, ein Album von Anfang bis Ende zu hören, wie ein Album dich einfach packen und beschäftigen kann. Ich hoffe, dass „Crash Test“ das auch schafft.

Also, wenn man sich „Crash Test“ anhört, dann sind die Einflüsse dieser Jazz Alben klar zu erkennen. Erzähl uns doch mal, mit was für Instrumenten und Sounds Du gearbeitet hast.

 

MB: Man hört diese Einflüsse nicht explizit, „Crash Test“ ist kein Jazz Album geworden – es ist eher die Arbeitsweise, die von alten Alben inspiriert war. Das Zulassen der „Fehler“, spontaner Umgang mit Instrumenten und Sounds... Wahrscheinlich hat diese Stimmung auch dazu geführt, dass ich mehr akustische Instrumente benutzt und tatsächlich wieder mit Maschinen gearbeitet habe, die lange nicht angeschlossen waren. Aber es gibt auf dem Album auch viele Zufall-Klänge, Aufnahmen von verschiedenen Orten und Räumen, die mir begegnet sind und die ich versucht habe einzufangen und mit ins Studio nach Hannover mitzunehmen. 

 

 

Du hast erwähnt, dass auf diesem Album viele akustische Instrumente zu hören sind. Hast Du selbst Erfahrung mit solchen Instrumenten?

 

MB: Ich habe einige Stunden Klavierunterricht gehabt und ich kann Harmonien heraus hören und erkennen. Das ist es dann auch schon. Mein Ziel ist es aber, das best mögliche aus einem Song herauszuholen und wenn ich mal nicht weiter komme und z.B. einen Klavierspieler brauche, weiss ich, wie er spielen soll und wo ich ihn finden kann.

Vielleicht kannst du ein paar Worte zum Titel des Albums sagen, und was er Dir bedeutet?

MB:   „Crash Test“ bedeutet in diesem Sinne nicht das Crash-Testing von Autos, oder das Einwirken auf Sachen und Schauen, wann sie kaputt gehen.

Es ist eine Musiksammlung, persönliche Musik die in einer Umgebung aufgenommen wurde, in der ich mich wohl fühle. Diese Musik heraus zu lassen, ohne Kollaborateure oder Partner, ist eine Art Crash Test für mich – ein Test, ob die Musik der Zeit und der „Realität“ standhält…

 

 

Du hast im letzten Jahr viel getourt. Gibt es einen Plan, wie das neue Album live umgesetzt wird?

 

MB: Klar! Es wird eine verlängerte World Tour geben, auf der ich auch mein Set-Up ändern werde, da die Musik auf jeden Fall einige Veränderungen erfordert. Es gibt auch Ideen zu einigen komplexeren Arrangements und Live Gigs, mit mehr Musikern auf der Bühne. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr so etwas auf die Beine stellen können.

 

 

Hast Du mit der abgeschlossenen Produktion dann erst mal genug von Alben?

 

MB: Keinesfalls. In der Vergangenheit ist es mir durchaus öfter passiert, dass ich nach einem Album-Projekt für eine Weile nicht viel gemacht habe im Studio, zuweilen hat so eine Phase ein paar Monate angedauert.
Momentan ist es vielmehr so, dass die Produktion des Albums neue Kräfte freigesetzt hat und ich ohne Unterbrechung weiter mache. „Crash Test“ ist eine Ansammlung der Stücke der letzten 15 Monate. Jetzt gibt es aber schon viele neue Inspirationen und ich schreibe und produziere nahtlos weiter.

 

 

Wie viel Einfluss hatte auf Dich die Stadt, in der Du lebst?

 MB: Sicherlich ist Hannover nicht der Schmelztiegel der elektronischen Musik. Aber es ist meine Heimatstadt und ein guter Ort, um kreativ und ganz besonders um Produktiv zu sein. Ich weiß nicht genau, ob man einen Einfluss direkt aufzeigen kann, aber Hannover spielt auf jeden Fall eine große Rolle innerhalb vieler anderer Einflüsse

 

 

Warum hast du Dir genau diese Zeit ausgesucht, um eine Debut Solo LP rauszubringen?