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28.01.10 10:11 Alter: 220 Tage

Sven Wittekind

Rubrik: Interviews

 

2002 sollte als das Jahr gelten, in welchem alles begann. Ein junger, damals noch unbekannter Artist namens Sven Wittekind veröffentlichte seine erste EP „Braindead“ auf Overdrive Records. Vom NoName-Produkt entwickelte sich die Scheibe rasant zum Dancefloor-Killer schlechthin und gilt heute als einer der Vorreiter der Hardtechno-Szene. „Zombie Holocaust“, ebenfalls auf Overdrive released, bildete die Fortsetzung dieses Krachers und war nicht minder erfolgreich. Kurz darauf produzierte er seinen ersten Remix für das Plattenlabel „Schubfaktor Records“, heute bereits in Klassiker und in so gut wie jedem Case zu finden. Diese drei Releases waren der Startschuss für eine Karriere, die bislang ihresgleichen sucht.

 

Durch „Zombie Holocaust“ bildete sich 2003 der Kontakt zur Booking-Agentur Abstract, heute Deutschlands Aushängeschild für erfolgreichen Hard-Techno und zugleich die größte Agentur in diesem Bereich. Nach mehreren kleineren Gigs stand für Sven im August 2003 der erste große Gig im legendären Palazzo in Bingen an. Ein unvergessliches Erlebnis! Noch im gleichen Jahr veröffentlichte er zudem weitere Platten, u.A. auf Psycho Schoxx, Overdrive und Kne´Deep.

 

Die Erfolgsfahrt setzte sich 2004 fort. Neben etlichen Gigs, z.B. bei Teqnology in den Niederlanden, remixte er u.A. Boris S. oder das sympathische brasilianische Ehepaar David und Ana, für die meisten bekannt als PET Duo. Die Highlights des Jahres waren aber - ohne Zweifel - Wittekinds erste Brasilien Tour und sein erstes Release auf Abstract Records, sowie die Gründung seines Labels Inflicted Recordings.

 

2005 sollte bis dato als Höhepunkt seiner Karriere gelten. Sein erster Auftritt im legendären Century Circus auf der Nature One und auf der Apokalypsa in Tschechien, um nur zwei der Highlights zu nennen. Trotz einer unüberschaubaren Zahl an Gigs in diesem Jahr, war Wittekind auch im Studio nicht untätig. So gründete er u.A. sein zweites Label „Toolterror“ und remixte Tube Techs Gassenhauer „Kiss In The Storm“. Der krönende Abschluss des Jahres war der 12. Platz beim „Best national DJ“-Voting des Szenemagazins Raveline.

 

Natürlich könnte man jetzt auf den Gedanken kommen, dass dies alles nicht mehr zu toppen sei. Doch wer das denkt, der irrt gewaltig. 2006 zog Sven nochmals alle Register und machte dieses Jahr ohne Zweifel als sein stärkstes Jahr überhaupt - bislang. Von nun an spielte sich „Witte“, wie ihn seine Freunde kumpelhaft nennen, Wochenende für Wochenende, in die Herzen seiner Fans. Knapp 100 Gigs zählte sein Terminplaner in diesem Jahr, u.A. auf Großevents wie Emporium, Ground Zero und In Qontrol (Niederlande), Montagood (Spanien), Time Warp (Mannheim) und auf dem Abstract Float auf der legendären Loveparade in Berlin. Etwas Besonderes war für ihn zudem seine dritte Tour durch Brasilien. Längst überfällige Gigs, vor allem in Bulgarien und der Slowakei, machten ihn auch mit der beeindruckenden Szene im östlichen Europa bekannt. Gleich zweimal konnte er die Energie und Emotionen dieser Nächte 2006 erfolgreich „verpacken“. So mixte er die Debüt-CD seiner Agentur Abstract „Hardtechno Vol. 1“ und stellte Ende des Jahres eine weitere CD für das Berliner Label Killaz zusammen, welche er den Namen seines Labels gab: Inflicted!

 

Auch in Sachen Releases hat sich 2006 natürlich viel getan. Mit „Are You Ready To Fight?“, inklusive Remix von Marco Remus, läutete er das Jahr 2006 sein. Man könnte fast meinen, er nutzte diesen Track um die Crowd für das bevorstehende große Jahr aufzuheizen. Für die 10. Inflicted ließ es sich Wittekind nicht nehmen und holte Boris S. zu sich ins Studio. Das Ergebnis waren drei bahnbrechende Tracks, welche den Putz von den Wänden sprengen und nur eine Frage offen lassen: „Maybe We Are Crazy?“ Ende 2006 nutzte er die erste Vinyl seines persönlichen Labels „Sven Wittekind Records“ dazu, um seinen Fans und Freunden für all den Support zu danken, welchen sie ihm in den vorangegangen Jahren gegeben hatten. „To My Headbangerz“, der Name der Vinyl spricht in diesem Falle wohl Bände. Zusammen mit seiner „Sunstorm EP“, erschienen auf Abstract Records, waren diese vier Vinyls wohl seine stärksten Technoplatten 2006.

 

Doch damit nicht genug. Zum Jahresende 2006 stand abermals der Leserpool des größten deutschen Szenemagazins für elektronische Musik, der Raveline, an. Völlig unerwartet gewann Sven mit überragendem Vorsprung den Titel „Best Remix 2006“ mit seinem Hardtechno Remix des DJ Rush Evergreens „Get On Up“! Zudem konnte er sich in der Kategorie „Best national DJ“ um mehrere Plätze verbessern und belegte den 3. Platz. Sein Label „Inflicted“ erreichte beim „Best Label national“ den 12. Rang, was für Witte und „seine“ Artist der Dank für all die Mühen des Jahres war.

Bei deinem Booking in Lübbenau in der Suppenküche fährst du einen ganzen Haufen an Technik auf, kann man sagen. Wie muss man sich deine Performance vorstellen? Liveact + DJ-Set, oder?

Ich spiele als DJ mit Live-Einflüssen. Ich habe meine Lieblingstracks die ich von Macbook 1 per  Traktor abspiele. Dazu kommt ein zweites Macbook mit Ableton, in diesem habe ich Abwandlungen von meinen eigenen Tracks sowie jede Menge Add-'Ons für die Stücke anderer Künstler. Ich habe oft die Momente beim Djing, da denke ich mir „oh jetzt müsste dies und das passieren“...und das ist bei meiner Art des Djing endlich möglich geworden.

 

Das klingt sehr interessant! Wie muss man sich die Add-Ons vorstellen?

Wenn ich einen Track spiele, ...und mit an einem gewissen Punkt eine Hihat fehlt, spiele ich sie dazu, dasselbe mache ich mit Claps, Snares, Rides, Cymbals oder Bassdrums. Ich habe auch extra Produzierte Effektspuren im Ableton, die ich in Passagen setze die mir im Original Track zu ruhig/langweilig sind: Bells, Noise, Rauschen usw. ...ich stehe voll drauf wenn ich nach einem langen Break mein Rauschen dazu spiele, da bekomme ich Gänsehaut am ganzen Körper. Das hat mir bei Vinyl immer gefehlt, dieses direkte eingreifen in die Tracks.

 

Am 30. April erscheint bereits dein 3. Album. Was wird uns erwarten?

Richtig! Auf diesem Album findet man auf jeden Fall wieder nur Tracks die mir zu 150% gefallen. 100% Techno. Ich gebe mir bei meinen Alben immer sehr viel Mühe, da ich ein Album immer als Gesamtkunstwerk sehe. Es wird auf jeden Fall mein Techno Jahr 2009 Reflektieren, aber auch noch tiefer greifen. Zudem habe ich mir auch wieder ein paar Leute als Feature aufs Album geholt. Zum Bsp. Andy White, Virgil Enzinger, Sascha Ewe. Mehr Infos dazu findet ihr aber bald in meinem Forum.

 

In wie fern haben die Künstler mitgewirkt? Als Kooperation oder als Remixer?

Die Tracks werden alles Kooperationen sein, den Track mit Sascha Ewe habe ich bereits fertig. Er war mal spontan in meinem Studio zu Besuch und wir haben uns einfach mal ans Produzieren gemacht. Vor kurzem habe ich dann entschieden diesen Titel fest mit aufs Album zu nehmen. Die Tracks mit Andy & Virgil stehen derzeit noch aus. Aber sowohl bei Andy wie auch Virgil wird das eine spaßige Sache auf die ich mich schon sehr freue.

 

Wird das Album auf Inflicted erscheinen oder auf SW Records?

Das Album kommt auf SWR (Sven Wittekind Records) ...als CD & Digital.

 

Gar nicht mehr als Vinyl?

Geplant ist es, aber versprechen möchte ich bis dato nur CD & Digital.

 

Ist wieder eine gleichnamige Tour zum Album geplant?

Ja. Meine Agentur (Abstract) arbeitet bereits an einzelnen Tourstops. Freue mich schon sehr drauf, das Album dann Live zu performen.

Du bist sehr viel unterwegs. Mit deinem Booking in der Suppenküche bist du endlich mal wieder im Brandenburger Raum unterwegs. Warum bist du so selten in BRB?

Ich versuche möglichst überall 1x im Jahr zu sein, wenn man viel rum kommt und Weltweit viele Länder besucht, ist es für meine Agentur (Abstract) nicht immer einfach mit jedem Club oder Veranstalter perfekte Termine zu finden. Oft ist das Problem das Veranstalter zu kurzfristig planen und im Januar für Februar anfragen, das funktioniert dann nicht. Aber ich freue mich auf jeden sehr über den Stopp in der Brandenburger Suppenküche!

 

Mit wie viel Vorlauf sollte man planen wenn man dich buchen will?

Im Optimalfall mehr als 4 Wochen. Denn man muss auch sehen, selbst wenn ich ja zufällig bzw. kurzfristig frei sein sollte, kann meine Agentur auch nicht alles an einem Tag mit dem Veranstalter besprechen. Viele Veranstalter machen es nebenberuflich und melden sich dann wieder 2-3 Tage nicht, obwohl die Zeit knapp ist...und dann haben sie noch immer keine gescheite Werbung raus für den Event. Deshalb würde ich jedem raten, relativ früh nach Terminen zu suchen. Ich habe bereits wieder feste Bookings bis September, wenn auch mit Lücken, aber das zeigt wie weit wir teilweise schon voraus sind.

 

Beatport und co sind mit die wichtigsten Vertriebswege wenn es um MP3s geht. Was läuft besser? Die CDs oder die MP3?

Über CDs kann ich kaum sprechen, wir haben mit dem Label erst eine einzige CD released. Die lief aber echt gut. Im mp3 Bereich geben wir derzeit richtig Gas, auch da merkt man immer mehr dass die Leute den Umschwung auf Digital mehr und mehr mitbekommen. Die Mp3 Verkäufe sind für uns im Gegensatz  zu 2007-2008 sehr stark angestiegen.

 

Liegt das an den günstigen Preisen für eine MP3?

Nicht nur, ich denke der digitale Markt ist einfach viel näher am Kunden, als das mit Vinyl der Fall ist. Niemand hätte sich vor ein paar Jahren einfach so im Hotelzimmer noch schnell die geile Nummer besorgen können die Freitag raus kam, aber erst so spät das man schon aus der Tür musste. Seitdem ich Digital spiele, kaufe ich viel mehr Musik als früher. Wenn ich bei Beatport mal wieder einen Einkauf mache, habe ich gerne mal so 50 Euro auf der Uhr. Dafür bekommt man doch im Plattenladen grade 5-6 Platten, wo man Glück haben muss das sie überhaupt da ist was man sucht, und  wovon einem oftmals nur ein Track gefällt. Digital habe ich dafür bald 20 Titel und ein „Fehlkauf“ für 1,49 ist auch nicht so schlimm wie einer für 8-9 Euro plus evtl. Versand.

 

Kann man dich als Schöpfer des Hard-Techno bezeichnen wenn man auf 2002 zurückblickt?

Nein. Ich habe das auch nie von mir behauptet, wie es zum Bsp. andere tun, die erst viel später zur Szene dazu gestoßen sind. Wenn das in der Szene rum geht, haben es die Techno Fans getan, die sehen das, oder besser mich teilweise so. Ich habe einfach seit 1999 immer nur Musik gemacht und die harten Rhythmen in der Zeit des „Klick Klack“ mit wiederbelebt, oder besser gesagt, nicht sterben lassen. Ich werde dabei natürlich auch den ein oder anderen prägenden Track in die Runde geworfen haben, aber der Schöpfer des Stils bin ich nicht. Das haben andere Jahre vor uns ins Leben gerufen.

 

Was war das für ein Gefühl auf der Mayday vor so vielen Leuten zu spielen?

Generell das Gefühl vor Leuten zu spielen ist immer berauschend. Auf der Mayday ist natürlich die Masse größer und das Gefühl den Fader runterzuziehen um mehrere 1000 Leute zum schreien zu bringen unbeschreiblich. Ich habe bei solchen Gigs oft Gänsehaut bei Trackpassagen, die in mir selber echte Gefühle auslösen. Allerdings macht mich ein einzelnes Gesicht im Club genauso Glücklich. Deshalb sieht man mich auch auf Events wie Mayday oft noch unten CDs verschenken, Autogramme geben, Fotos machen & über dies und das reden.

 

Was hältst du von „Techno-DJs“ die am Mikrophone mit Ansagen arbeiten um das Publikum zu puschen, passt das?

Ich erinnere mich dazu gerne an Sven Väth´s „Gute Laune“...“Habt ihr Bock auf Ibiza“...so etwas macht Sympathisch und ist auch lustig, wenn man es nicht auf jeder Party macht. Aber sobald das ganze Jahrmarkt Charakter bekommt ala „Put your Hands in the Air, Seit ihr noch da, oder Jetzt Bier für 1 Euro“ usw., schäme ich mich wirklich unendlich fremd.

 

Vor kurzem hast du einen Remix gemacht für Andy White seine „Badly Damaged EP“. Wie war das Feedback zum Track?

Sehr Positiv, wie auch zum Original Track. Ich spiele beide Versionen sehr gerne!

 

In wie fern stehst du in Verbindung mit Virgil Enzinger?

Der Virgil und ich verstehen und schon lange sehr gut. Er ist ein total angenehmer Typ, dessen Musik ich schon seit dem allerersten Release immer wieder aufs neue Schätze. Er macht irgendwie genau diesen speziellen Sound der bei mir total auf den Nerv „guter Techno“ trifft. Deshalb wird er auch auf meinem neuen Album vertreten sein. Die Vorbereitungen für unseren Track haben gestern begonnen.

 

Wie lange dauert im Schnitt eine Produktion zusammen mit anderen Künstlern?

Das geht meistens sehr schnell, Virgil und ich haben beide eine ganz genaue Vorstellung von unserer Musik. Meistens kommen sogar  mehrere Stücke bei einer Session raus, weil der Kopf 2 kreativer Künstler, meistens eine Menge neuen Wind in der Arbeitsweise bringt. Ich bin auf jeden Fall selbst sehr gespannt was passieren wird!